Günter Meyer erneut zum Vorstandsvorsitzenden des Orient-Weltkongresses WOCMES gewählt

Mainzer Geograph steht mit dem Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz der mittlerweile weltweit bedeutendsten Informationszentrale zur Orientforschung vor

Der Vorstand des Weltkongresses für Studien zum Vorderen Orient, des World Congress for Middle Eastern Studies (WOCMES), hat Prof. Dr. Günter Meyer erneut zum Vorsitzenden gewählt. Diesem bedeutendsten Gremium der internationalen Orientforschung gehören 84 herausragende Persönlichkeiten aus 24 Ländern an. Sie nehmen jeweils führende Positionen in den unterschiedlichen Fachdisziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften ein, die sich mit dem Nahen und Mittleren Osten, Nordafrika und der gesamten islamischen Welt befassen.

Mit dem einstimmigen Votum des Vorstands wurde der Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt (ZEFAW) am Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) zum fünften Mal für weitere vier Jahre in diesem Amt bestätigt. Meyer ist damit bis 2022 für die Organisation des Orientweltkongresses verantwortlich. Darüber hinaus ist er auch als Gastprofessor an der University of Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig, an der er im Januar 2018 für weitere drei Jahre zum Mitglied des Board of Trustees ernannt wurde, dem obersten Leitungsgremium der Universität.

Die Voraussetzungen für die herausragende Position, die Prof. Dr. Günter Meyer im internationalen Wissenschaftsmanagement einnimmt, wurden 1998 gelegt. Damals rief der größte US-amerikanische Verband von Orientwissenschaftlern zu einem internationalen Wettbewerb um die Durchführung des ersten Weltkongresses für Studien zum Vorderen Orient auf. Zu diesem Zeitpunkt war der Mainzer Wirtschafts- und Sozialgeograph gerade zum Vorsitzenden der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient für gegenwartsbezogene Forschung und Dokumentation (DAVO) gewählt worden. „In dieser Position erkannte ich die Chance, den Weltkongress nach Mainz zu holen“, erinnert sich Meyer. „Dazu war es jedoch unbedingt erforderlich, neben der Rückendeckung durch die DAVO auch die Unterstützung weiterer internationaler Verbände für die Bewerbung von Mainz zu gewinnen.“ Deshalb kandidierte Meyer sowohl bei den Wahlen für das Amt des Präsidenten der Internationalen Vereinigung für Studien zum Mittleren Osten, der International Association for Middle East Studies (IAMES), als auch der Europäischen Vereinigung für Studien zum Vorderen Orient, der European Association for Middle East Studies (EURAMES), dem Dachverband aller wissenschaftlichen Orientvereinigungen in 28 europäischen Ländern mit mehr als 3.500 Mitgliedern.

Beide Kandidaturen waren erfolgreich, sodass Meyer als Repräsentant der drei bedeutendsten Verbände der internationalen Orientforschung und mit deren Befürwortung der Mainzer Bewerbung zur entscheidenden Auswahlsitzung nach Washington fliegen konnte. Die Spannung war groß: Kann sich Mainz im Wettbewerb mit so attraktiven Kongressstädten wie Paris, London und Edinburgh durchsetzen? Meyers Präsentation war dann derart überzeugend, dass sich das internationale Auswahlgremium einstimmig für Mainz und das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt an der JGU als Veranstalter des Weltkongresses entschied.

Der erste Weltkongress für Studien zum Vorderen Orient wurde 2002 auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt und war ein überwältigender Erfolg. Rund 2.100 Wissenschaftler aus 68 Ländern nahmen daran teil. 1.062 Vorträge wurden in 32 verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zu orientbezogenen Themen gehalten – aus den Bereichen von Archäologie und Islamwissenschaft bis zu Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 126 akkreditierte Medienvertreter aus 28 Ländern berichteten über den Weltkongress und das breite kulturelle Rahmenprogramm, das auch die Mainzer Bevölkerung einbezog. Einer der Höhepunkte war die Gedenkfeier anlässlich des ersten Jahrestags der Terroranschläge in den USA, als im Mainzer Dom die Repräsentanten der beiden christlichen Kirchen sowie des Zentralrats der Muslime und der Juden in Deutschland die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer religiösen Positionen zu diesem Ereignis vorstellten.

Nach der Leitung des 1. Weltkongresses war Meyer als Vorstandsvorsitzender des WOCMES auch für die Organisation der Weltkongresse in Amman/Jordanien, Barcelona/Spanien und Ankara/Türkei verantwortlich. Er bereitet jetzt zum fünften Mal die bedeutendste globale Konferenz der Orientforschung vom 16. bis 22. Juli 2018 in Sevilla/Spanien vor, zu deren höchst attraktivem wissenschaftlichen und kulturellen Programm alle Orientinteressierten herzlich eingeladen sind.

Aufgrund der vielfältigen Vernetzung des Mainzer Geographen als Vorsitzender bzw. Präsident der – einschließlich WOCMES – vier wichtigsten Verbände der internationalen Orientforschung hat sich das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zur weltweit bedeutendsten Informationszentrale für die Verbreitung von Nachrichten über Forschungen zum Vorderen Orient entwickelt – eine Region, die von Marokko im Westen bis Afghanistan und den muslimisch geprägten Republiken in Zentralasien reicht. Auch Studien über Themen, die vom Vorderen Orient ausgehen und sich auf andere Weltregionen auswirken, sind Gegenstand des Forschungsnetzwerks: Untersuchungen zu muslimischen Migranten in Europa gehören ebenso dazu wie Studien über die Auswirkungen des "Arabischen Frühlings" sowie die Folgen des Stellvertreterkriegs in Syrien und des Nahostkonflikts für die weltpolitische Entwicklung.

All diese Informationen werden von den Mitgliedern der vier Verbände an das Mainzer Zentrum geschickt, dort textlich aufbereitet und in der Regel einmal wöchentlich an mehr als 6.000 Orientwissenschaftler weltweit per E-Mail versendet. Von diesem Informationsdienst profitiert die gesamte deutsche Orientforschung in besonderem Maße: Durch die internationale Ankündigung von Konferenzen nehmen wesentlich mehr ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Kongressen in Deutschland teil, während umgekehrt auch mehr deutsche Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse im Ausland auf Konferenzen vorstellen. Nicht zuletzt verdanken inzwischen Hunderte von jungen Nachwuchswissenschaftlern entscheidende Fortschritte in ihrer Karriere den Ausschreibungen von Stellen, Stipendien und Sprachkursen im Informationsdienst. Seit dem Beginn des „Arabischen Frühlings“ vor sieben Jahren ist Meyer mit inzwischen mehr als 1.100 Interviews im TV, Rundfunk, Internet und in den Printmedien auch als Experte zu den aktuellen Entwicklungen in allen Staaten der Region gefragt (vgl. http://www.facebook.com/CERAW.Info).