Dr. Pascal Kremer, Absolvent des Geographischen Instituts, erhält zum zweiten Mal das Gutenberg-Stipendium der Stadt Mainz

Dissertation zum Thema ‚Die Zuckerrübe im Klimawandel‘ ausgezeichnet

Im Rahmen der jährlichen Festveranstaltung der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft im Vortragssaal des Gutenberg-Museums in Mainz wurde am 24.6.2017 Dr. Pascal Kremer für seine Dissertation ausgezeichnet. Diese verfasste er zum Thema „Die Zuckerrübe im Klimawandel: Eine empirisch-modellgestützte Analyse der vergangenen und möglichen zukünftigen agrarökologischen Auswirkungen in ausgewählten Regionen von Rheinland-Pfalz und Hessen“ am Geographischen Institut der JGU. Betreut wurde er von Prof. Dr. Hans-Joachim Fuchs und Univ.-Prof. em. Dr. Dr.h.c. mult. Manfred Domrös. 2012 bekam der Geograph diesen Preis auch für seine Magisterarbeit.

Seit 1946 werden mit dem Gutenberg-Stipendium der Stadt Mainz „abgeschlossene Arbeiten ausgezeichnet, die eine besondere wissenschaftliche, künstlerische oder fachliche Leistung darstellen, deren Thematik in einem Zusammenhang mit der Stadt Mainz steht“ (Auszug aus der Urkunde). Das dotierte Stipendium wurde dieses Jahr an insgesamt 5 AbsolventenInnen der Universität und der Fachhochschule Mainz feierlich von Frau Marianne Grosse, der Dezernentin für Bauen, Denkmalpflege und Kultur und Herrn Michael Ebling, dem Oberbürgermeister der Stadt Mainz, verliehen.

Dr. Kremer untersuchte empirisch-modellgestützt die vergangenen regionalen Auswirkungen des Klimawandels auf den Zuckerrübenanbau. Eine der Schwerpunktregionen war auch das Gemarkungsgebiet der Stadt Mainz: ca. 50 landwirtschaftliche Betriebe bauen dort auf einer Fläche von 570 ha Zuckerrüben an (Erntemenge circa 48.500 t pro Jahr). Dies belegt die wichtige Bedeutung der Stadt Mainz für die regionale Landwirtschaft. Aus den vergangenen Zusammenhängen leitete er Wirkmodelle zur Projektion möglicher zukünftiger Auswirkungen auf den Zuckerrübenanbau ab. Dabei standen die frühen Stadien der Pflanzenentwicklung, die Ertragsbildung während der Hauptwachstumsphase, Extremwetterereignisse sowie der Bodenwasserhaushalt unter Zuckerrübe im Fokus der Forschungsarbeiten. Des Weiteren wurde das Vorkommen und die Epidemiologie der wichtigsten ertragsreduzierenden Pflanzenkrankheiten bzw. Pflanzenschädlingen der Zuckerrübe, die in ihrer Entwicklung und Ausbreitung ebenfalls vom Klimawandel beeinflusst werden, untersucht und eine räumliche Risikobewertung abgeleitet. Diese wurde mithilfe sog. Blattkrankheitsmodelle, die im weiteren Schritt von Dr. Kremer mit den Klimamodellen verbunden wurden, vorgenommen. Diese wichtige Erkenntnissynergie bzw. „Korrespondenz“ und damit Verbindungen der einzelnen Modellierungen untereinander stellen eine essentielle Basis für aussagkräftige Zukunftsprojektionen in den einzelnen Anbauregionen dar.

Als Geograph analysierte und bewertete er bestehende naturräumliche Unterschiede und zog daraus praxisrelevante agrargeographische Schlüsse: beispielsweise inwiefern Möglichkeiten bestehen, die Aussaat zeitlich nach vorne zu verlagern, um dadurch das regionale Ertragspotential zu erhöhen. Während der Hauptwachstumsphase könnten zukünftig häufiger Trocken- sowie Hitzestressereignisse das Zuckerrübenwachstum hemmen. Außerdem sei des Weiteren früher mit dem Auftreten von ertragsmindernden Blattkrankheiten zu rechnen. Diese treten durch den Klimawandel in früheren Wachstumsstadien bei den dann noch wenig widerstandsfähigen Zuckerrübenpflanzen auf. Neben den beschriebenen Chancen ist der stattfindende Klimawandel somit auch mit Herausforderungen für den Zuckerrübenanbau verbunden. Es gilt die Chancen voll auszuschöpfen und in Ertrag umzumünzen. Den sich ergebenden Herausforderungen muss mit konsequenter Beratung und Forschung begegnet werden, um den Rübenanbau regional nachhaltig zu stärken und zu sichern.

Und die Empfehlungen aus den Forschungsergebnissen werden genutzt. Dies zeigt sich bereits. Die erzielten Erkenntnisse wurden auf Fachtagungen vorgestellt und führten bereits dazu, dass ein Folgeprojekt initiiert wurde. In diesem werden aktuell die Modelle für die landwirtschaftliche Beratung mit dem Ziel optimiert Pflanzenschutzmittel einzusparen. Hieran wird die Umwelt- und Gesellschaftsrelevanz angewandter geographischer Forschung im Verbund mit Praxispartnern aus der Landwirtschaft deutlich.

Seine Dissertation verfasste Dr. Kremer in einem mehrjährig angelegten Drittmittelprojekt „Erforschung der möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Zuckerrübenanbau in Rheinland-Pfalz“ des Geographischen Instituts und des Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen (in Trippstadt). Zudem war die Arbeit Teil des Projektes „Zukunft Zuckerrübe“, das vom Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. geleitet wird und unter anderem von den Landwirtschaftsministerien der Ländern Rheinland-Pfalz und Hessen, dem Pflanzenzüchter Strube GmbH & Co. KG sowie dem Kuratorium für Versuchswesen und Beratung im Zuckerrübenanbau finanziell unterstützt wird. Die Arbeit wurde fachlich durch die Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz (ZEPP) und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) unterstützt.