Geograph der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erhält den Förderpreis der süddeutschen Zuckerwirtschaft

(Fuchs, 18.01.2017)
Dr. Pascal Kremer für Doktorarbeit zu den agrarökologischen Folgen des Klimawandels für den Zuckerrübenanbau in Südwestdeutschland ausgezeichnet.

Jedes Jahr werden mit dem Förderpreis der süddeutschen Zuckerwirtschaft im Rahmen der Tagung des "Kuratoriums für Versuchswesen und Beratung im Zuckerrübenanbau" herausragende Arbeiten zur Erforschung und Entwicklung eines zukunftsfähigen Zuckerrübenanbaus in Süddeutschland ausgezeichnet. Der mit 2000 € dotierte Förderpreis wurde am vergangenen Freitag durch den Vorsitzenden des Verbandes Süddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V., Dr. Hans-Jörg Gebhard, im Konzert- und Kongresszentrum Harmonie in Heilbronn an Dr. Pascal Kremer verliehen. Er verfasste seine Dissertation mit dem Titel „Die Zuckerrübe im Klimawandel: Eine empirisch-modellgestützte Analyse der vergangenen und möglichen zukünftigen agrarökologischen Auswirkungen in ausgewählten Regionen von Rheinland-Pfalz und Hessen“ am Geographischen Institut der JGU. Betreut wurde er von Prof. Dr. Hans-Joachim Fuchs und Univ.-Prof. em. Dr. Dr.h.c. mult. Manfred Domrös.

Kremer untersuchte empirisch-modellgestützt, welche Auswirkungen der regional nachweisbare Klimawandel bereits in der Vergangenheit auf den Zuckerrübenanbau hatte. Aus den vergangenen Wirkzusammenhängen leitete er Modelle zur Projektion möglicher zukünftiger Auswirkungen auf den Zuckerrübenanbau ab. Schwerpunktthemen waren die frühen Stadien der Pflanzenentwicklung, die Ertragsbildung während der Hauptwachstumsphase, Extremwetterereignisse sowie der Bodenwasserhaushalt unter Zuckerrübe. Aber auch die Auswirkungen des Klimawandels auf Krankheiten und Schädlinge standen im Fokus der Forschung. Dabei zeigte er naturräumliche Unterschiede auf und zog wichtige agrargeographische Schlüsse, beispielsweise inwiefern sich die frühe Pflanzenwachstumsphase beschleunigt und sich dadurch das regionale Ertragspotential erhöhen lässt. Auf der anderen Seite zeigte er auf, dass zukünftig die Hauptwachstumsphase häufiger von Trocken- als auch Hitzestress betroffen sein könnte. In Zukunft sei des Weiteren früher mit dem Auftreten der Blattkrankheiten zu rechnen und diese treten durch den Klimawandel in früheren Wachstumsstadien der Zuckerrübe auf. Der Klimawandel ist neben den beschriebenen Chancen somit auch mit enormen Risiken verbunden. Die Chancen müssen voll ausgenutzt und in Ertrag umgemünzt werden. Den Risiken muss mit konsequenter Beratung und Forschung entgegengearbeitet werden, um den Rübenanbau in der Region nachhaltig zu stärken und zu sichern.

Dass die Empfehlungen aus den Forschungsergebnissen genutzt werden, zeigt sich bereits. Auf Grundlage der erzielten Erkenntnisse wurde ein Folgeprojekt initiiert. In diesem werden aktuell die Modelle für die landwirtschaftliche Beratung mit dem Ziel optimiert, Fungizide einzusparen. Hier wird die Umwelt- und Gesellschaftsrelevanz angewandter geographischer Forschung im Verbund mit Praxispartner deutlich.

Die Dissertation von Dr. Pascal Kremer war Teil des laufenden Drittmittelprojektes zur „Erforschung der möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Zuckerrübenanbau in Rheinland-Pfalz“ des Geographischen Instituts und des Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen. Die Arbeit war zudem Teil des Projektes „Zukunft Zuckerrübe“, das vom Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V. geleitet wird und unter anderem von den Landwirtschaftsministerien der Ländern Rheinland-Pfalz und Hessen, dem Pflanzenzüchter Strube GmbH & Co. KG sowie dem Kuratorium für Versuchswesen und Beratung im Zuckerrübenanbau finanziell unterstützt wird. Die Arbeit wurde fachlich durch die Zentralstelle der Länder für EDV-gestützte Entscheidungshilfen und Programme im Pflanzenschutz (ZEPP) und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) unterstützt.